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Gedicht zur Goldenen Hochzeit von Johannes und Else Harter

13. September l990

Goldene Hochzeit Gruppe

Es war vor mehr als 50 Jahren,
als sich Johannes und Else das erste Mal sahen.
Er, ein schmucker Bauernbursch mit blonden Haaren,
"weißhoorigs Häterle" wurde er genannt,
in Teplitz überall wohlbekannt.
Sie, ein junges, schlankes Mägdelein
Von scheißpresetschen Annen, (16 Jahren)
mit einer Stimme, so lieblich und hell,
in die sich Johannes verliebt auf der Stell,
als ihm ein Ständchen gebracht
von einer Mädchenschar, noch in derselbigen Nacht,
bevor er aufbrach zur Wehrpflichtschaft.

Diese Zeit nun wurde überbrückt
mit Briefen, die fleißig hin - und hergeschickt
bis zur Verlobung, die später war geglückt.
Schwester Lydia fungierte als Anstandswauwau,
wenn promeniert wurde im Teplitzer Gau.
Bei Trauben, Harbusen und Badletschannen wurde sich ergötzt, (Melonen, Tomaten)
Beim Welschkornstripfen ein Schmatzerle versetzt. (Maiskolbenabblättern)

Gustav- und Johannesvetter, Siona- und Bertabas,
wohnten in der Nachbargass'
wenige Hofluken voneinander,
für das junge Paar, kein Problem war, zu gehen miteinander;
bis die Russen am 1. Juli 40 marschierten ein.
Da gab es große Not und Pein,
denn die Läden waren im Nu wie leergefegt,
und es wurde nichts eigen mehr gehegt.
Die Trauben glänzten im Sonnenschein,
aber bei Strafe, sie waren nicht mehr mein.
Es gab noch nicht mal eine Placht, (Decke)
und die Menschen mussten weg, sogar bei Nacht.

Fremde Laute hörte man überall.
So ging's durcheinander im Redeschwall:
"Strasdwitsche Dawarisch Iwanowitsch," (Guten Tag, Kamerad)
"Strasdwitsche Dawarisch Petrowitsch,"
"Kagtjella, alte babuschka?" (Wie geht`s, Oma?)
"Sbasiba, karascho." (Danke,gut)
"Chleba und Wodka gefällig?" (Brot)
"Nur alles gemächlich!"
"Nasdarowje - Gospodin! (Zum Wohl, Herr!)
So schnell - wohin?"

Den Deutschen in Bessarabien war es nicht mehr geheuer,
in ihren Herzen brannte es wie Feuer,
zu ihrem Glück oder Unglück, wie man's auch nennt,
Hitler mit Stalin die Ausbürgerungsurkunde schwenkt:
"Jedes verheiratete Paar bekommt ein Pferdegespann,
mit großartigem Wagen hintendran.
Damit geht's über Stock und Stein,
bis weit in die Kornkammern Polens hinein."
Ihr könnt euch vorstellen, liebe Leut,
wie in Bessarabien schnell geheiratet, am besten sogleich.

In Teplitz waren's 33 Paar,
darunter auch unser Johannes und unsere Else war.
Es gab'nen großen Festtagsschmaus,
mit viel Trara und großem Applaus,
das halbe Dorf kehrte bei Schaalens ein und aus.

Viel zu früh begann der lange Troß,
mit Gestöhne und Wehmut - "Bessarabien, so forte frumoss!" (Sehr schön)
Zurück blieb alles: Haus, Hof und Getier, sogar die pissica vor der Tür. (Katze)

Auf Schloss Hubertusburg eine harte Lagerzeit
und völlig Unbekanntes, weit und breit.
Am Schluss blieb nichts anderes mehr übrig, als in den Zug,
nur mit Gepäck, das man noch trug.
Mit Seufzen und mit Klagen:
"Wie gut war der holprige Wagen,
den die russischen Soldaten stahlen!"

Der Aufregung war es zuviel,
und noch nicht am polnischen Ziel
kam die Krönung der Liebe auf die Welt.
Gerlinde - das bin ich - hatte sich allzu früh eingestellt.

Vier Jahre mit frischem Mut
auf dem westpreußischen Gut;
eine schaffensreiche Zeit,
doch die kleine Familie gedeiht.
Bis 44 erneute Not brach herein:
"An die Front - zum sofortigen Stell dich ein!"

Meine Mutti, das muss man sagen,
führte weiter den Hof mit wenigen Klagen,
mit polnischem Personal,
ihr blieb keine andere Wahl.

Es war in einer Nacht,
da wurde die Nachricht gebracht:
"In zwei Stunden auf den Wagen,
ohne langes Murren und Zagen!"

Erneut begann eine harte Zeit,
einmal kalt und einmal heiß,
wie die lange Irrfahrt des Odysseus.
Zum Glück hatten wir eine Großelternfamilie gefunden,
gemeinsam wurden zurückgelegt die Runden.

Auch ich sah viele Not und wenig Brot,
lodernde Feuer am Himmelsball
mit viel Getöse und großem Knall.
Tote Soldaten säumten die Wege,
fort ging's auf schwankendem Stege.

Endlich, endlich war es soweit,
gelindert wurde die Leidenszeit,
als in Alfdorf mit frohem Mut,
abgenommen wurde der Reisehut.

Doch mein Papa war verschollen,
gemeinsam mit dem Roten Kreuz wir ihn suchen wollen.
Im Jahre 49 war es endlich soweit.
"Soweit die Füße tragen" - ohne zu verzagen.

Mitten in einer Nacht
sind wir durch Klopfen aufgewacht.
Und wer stand vor der Tür?
Der geliebte Papa aus Russland, das glaubet mir.
Durch mitgebrachte Pralinen wollte er meine Gunst erheischen,
doch ich konnte sie mit folgendem Spruch beweisen:
"Mutti, du schläfst in meinem Kinderbett,
und ich bei meinem Papa, - das wäre doch nett!"

Wohin nun zur Arbeit - das war die nächste Frage,
die Existenz und die Ländereien sind weg, wohin nur, sage?
Die einzige Möglichkeit war auf dem Bau.
Das Maurerhandwerk zu lernen, war das nicht schlau?
Denn der Bauboom war ausgebrochen,
gebaut wurde überall, in vielen, unendlichen Wochen.

Eine größere Wohnung war bald gefunden,
und die Eltern schufteten und waren geschunden.
Fleißig , fleißig zu sein, das war ihr Los.
"Ja, was machen wir als nächstes bloß?"
Jeder Pfennig wurde gespart
und jede Kleinigkeit zusammengekarrt.

1954 erblickte ein Mädchen das Licht der Welt,
ein kleines Töchterchen hatte sich dazugesellt.
In meiner Freizeit versorgte ich Monika,
damit unsere Mutti gehen konnte zur Fabrika.

Bald darauf konnten die Eltern ein Haus ihr eigen nennen
und sich wieder die Füße ausrennen.
Es war schön im eignen Haus in der Farbgass' zu wohnen,
auch wenn sie sich dabei nicht konnten schonen.

Durch's Rote Kreuz ein bessrer Job im Krankenhaus,
Mutti konnte dies nicht lassen aus.
Kranke zu versorgen, zu hegen und zu pflegen,
das ist ihr immer noch gelegen.

Die Töchter sind inzwischen groß
und tragen jetzt ihr eigenes Los.
Papa's erlernte Fähigkeiten

lassen sich durch zwei casas nebeneinander bewahrheiten. (Häuser)
In dem einen wachsen drei Enkeltöchter heran,
und Gerhard, der Schwiegersohn, stellt für seine Familie tapfer den Mann.
In dem andern, da leben sie zu dritt,
gefolgt vom Kater Peterle, auf Schritt und Tritt.

Nun sind beide im Ruhestand
und haben rings herum Garten und Land.
Das Bauernblut lässt sich nicht verleugnen,
im Garten zu wühlen, das macht riesige Freuden.
Nebenbei im Dorfe ein großes Engagement
Und nicht zu zögern un moment (einen Moment)
im Roten Kreuz tätig zu sein, Erste Hilfe Kurse zu leiten, ist das nicht fein?

Aber das ist beileibe nicht alles:
Aussiedlerbetreuung, Sitzungen und Feste
werden ausgerichtet auf das Beste;
zweimal im Jahr eine große Blutspendeaktion,
Ehrungen und Dank, das ist beider Lohn,
33 Jahre in leitender Ehrenfunktion.
Verdienstmedaille von Lothar Späth
wurde dem Papa auch nicht verschmäht.
Seit Jahren führt er die bessarabische Landsmannschaft,
Ausschusssitzungen im VDK und Obstbauverein.
Mutti stöhnt: "Lass es endlich sein! Das kostet dich doch zuviel Kraft."
Für jeden und alle hilfsbereit,
kostet es auch noch soviel Zeit.
Für die Sorgen anderer ein offenes Ohr,
"Johannes und Else, helft mir!" - so schallt's im Chor.

Passives Mitglied im Musikverein,
denn nach Noten spielen, das ist nicht Johannes' sein.
Doch bunte Melodien auf vielen Instrumenten
zaubert er hervor mit seinen Händen.

Meinte einmal Gustavvetter:
"Potz Blitz und Donnerwetter,
warum habe ich dich nicht früher entdeckt
und dich als Schwiegervater in meine Musikkapelle gesteckt?
Die Noten hättest du bei mir gelernt,
denn du hast ein großes Talent!"

Mit den Backnangern wird ab und zu musiziert,
und sich sogar auf Bühnen postiert.
Ja, an der Musik da haben die Harters ihre Freud,
vertreibt sie doch Sorgen und manches Leid.

Die Alfdorfer haben ein internationales Haus,
Americans und Holländer kehren ein und aus,
selbst Russen, Rumänen, Türken nebst Jugoslawen
in das schwäbische Domizil hier kamen.
Fehlen noch die polnischen Freunde,
die die Familie besucht vor drei Jahren, diese gastfreundlichen Leute.

Kurz und gut, es ist ein bewegtes Auf und Ab,
liebe Eltern, macht ja nicht so schnelle schlapp.
Ich wünsche Euch vor allem Glück
auf Eurem bewegten Lebensstück.
Gottes Beistand und Segen
auf Euren weiteren Wegen.
Drum für unser Jubelpaar
ein Prosit und noch viele gemeinsame Jahr!

Das Goldene Hochzeitspaar

Gerlinde Göhringer

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© Gerlinde Göhringer
mit Unterstützung von kuntner.de