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Mein Reisebericht von der Bessarabienreise 2002

(Der Artikel erschien im Januar 2003 im Mitteilungsblatt der Bessarabiendeutschen)

Auf den Spuren unserer Urahnen

Flugreise vom 28.8. bis 4.9.2002 nach Bessarabien

Es begann damit, dass ich (Gerlinde Göhringer), Tochter des Johannes und Else Harter, geb. Schaal, beide aus Teplitz (Bessarabien), nach langer Zeit wieder einmal zu einem Bundestreffen der Bessarabiendeutschen fahren wollte.
Der Grund dafür war: Ich bin Buchautorin der beiden Bücher: "Wölfe heulen durch die Nacht, die Bessarabien-Story" und "Fußmarsch durch die Hölle."
Also machten wir uns auf den Weg zum 35. Bundestreffen nach Ludwigsburg: meine Eltern, mein Mann und ich. Der Höhepunkt für meinen Vater war, als er bei der Tombola den Hauptgewinn zog, nämlich eine Bessarabienreise.
Ich konnte es nicht glauben, als er dies voller Stolz kundtat. "Du machst doch nur Spaß!", war mein Kommentar. Ich musste es letztendlich glauben, als ihm Adolf Buchfink das offizielle Dokument überreichte.
Noch erstaunter war ich, als ich hörte, er wolle sich im Sommer auf die Reise begeben, zusammen mit meiner Mutter. Mein Vater wird im Dezember 88 Jahre, meine Mutter ist 81 Jahre alt, beide schon betagt. Meine Eltern haben in den Jahren 1991,1992 und l993 Bessarabien besucht, das erste Mal in Begleitung meiner beiden älteren Töchter. Der Bericht darüber erschien im Mitteilungsblatt am 5.3.l992. Im Jahr l993 nahmen die Eltern von ihrem Heimatdorf Teplitz Abschied für alle Zeiten.
Und jetzt diese erneute Herausforderung. Ein weiterer Höhepunkt im Leben der Eltern; eine Betriebsamkeit kam auf: es wurde ein Koffer mit Rädchen gekauft, es wurde eingepackt und gewogen, schon Wochen im Voraus. Und als mich meine Eltern zu dieser Reise einluden,war ich sofort dabei. Mein Leserkreis hatte sich schon gewundert, dass ich noch nie in diesem Land war. So machten wir uns auf die Reise: meine Eltern, meine Kusine Gudrun Lauber, meine jüngste Tochter Margit und ich.
Unser Flugzeug startete morgens um 8 Uhr 25 in Stuttgart. In Wien hatten wir einen kurzen Zwischenstopp und bestiegen die ukrainische Maschine. Kurz vor Odessa geriet unser Flugzeug in Turbulenzen, ein Vorgeschmack auf die holprige Landebahn.

Am Flughafen

Valerie, die rechte Hand unseres Bundesvorsitzenden Herrn Dr. Kelm und seiner Frau, holt unsere Reisegruppe mit einem gelben Kleinbus ab, mit der Aufschrift Bessarabienreisen und dem Wappen der ehemaligen Bewohner. 85 Kilometer liegen vor uns bis zur ehemaligen Kreisstadt der Bessarabiendeutschen. Akkerman ist 2500 Jahre alt und zählt heute 60 000 Einwohner.

Bus

Nun befinden wir uns also auf der geraden, stellenweise aber holprigen Straße. Bäume, die Stämme weiß gestrichen, säumen die meiste Zeit die Wege und spenden Schatten. Es ist heiß.
Das kontinentale Klima bringt schon frühmorgens angenehme Wärme mit sich, die sich im Laufe des Tages bis zur Hitze steigert und bis in die späten Abendstunden anhält.
Ab und zu taucht ein Gehöft auf. Die kleinen, grauen Häuschen sind mit Eternitplatten gedeckt. Mehrere kleine Hütten schmiegen sich ans Wohnhaus. An den Straßenrändern sitzen Bauern, Männer und Frauen, die viele gelbe Honigmelonen und große, grüne Harbusen (Wassermelonen) aufgeschichtet haben. Daneben sehen wir Anhänger oder Kofferräume von Autos, voll beladen mit roten Tomaten, Paprika oder Gurken. Prall gefüllte Zwiebel- und Kartoffelsäcke stehen daneben. Fasziniert starre ich zum Fenster hinaus, um ja nichts zu versäumen und um die Bilder, die sich meinem Auge darbieten, in mir aufzunehmen.

An der Strasse

Die Zeit im Bus verfliegt im Nu.Wir nähern uns Akkerman. Einige Villen mit Säulen und Erkern tauchen plötzlich auf und heben sich stark von den einzelnen Behausungen der ländlichen Bevölkerung ab. Diese Bauten gehören reichen Leuten aus Odessa, die hier gebaut haben. Jetzt passieren wir die mächtige Brücke, von zwei Soldaten am Ein- und Ausgang bewacht, die den Liman und das Schwarze Meer miteinander verbindet. Mitten auf der Brücke informiert uns Valerie: "Jetzt sind wir in Bessarabien."

Fluss

Wenig später kommen wir am Hotel Rus an, einem blau gestrichenen, mehrstöckigen Gebäude. Eine Frau in der schönen landesüblichen Tracht erwartet uns bereits mit traditionellem Brot und Salz. Nach der Schlüsselübergabe geht`s in den zweiten Stock. Die Zimmer unserer Familie liegen nebeneinander. Wir finden alles vor was wir benötigen, sogar eine Dusche mit WC. Allerdings darf man keine großen Ansprüche stellen. Wenn man bedenkt, dass die Dorfbewohner auf Dusche und WC verzichten müssen, befinden wir uns im Luxushotel.
Vor dem Abendessen macht unsere Familie einen kleinen Spaziergang zur nahe gelegenen Gedenkstätte der Opfer des Nationalregimes ( l941 bis l945). Ein großer Obelisk und Tafeln mit eingemeißelten russischen Namen und geschmückt mit Blumen erinnern daran, wie einst russische Soldaten über den Liman gekommen sind, direkt in die Arme der Deutschen, die hier an dieser Stelle auf sie gewartet haben.

Am Meer

Wir schauen über eine hohe Mauer und lassen dabei unsere Blicke über das jetzt ruhige Wasser schweifen. Auf dem Rückweg gehen wir durch eine schattige Akazienallee, die den Gehweg von der geteerten Straße trennt. Eine ältere Frau betätigt den Hebel eines kleinen Brunnens. Ein schwacher Wasserstrahl füllt ihren Eimer. Beim Weiterlaufen stolpern wir beinahe über einen halboffenen Schacht, der Deckel liegt daneben. Später klärt uns Herr Kelm auf: " Achtet auf die Schächte, wie auch auf die Treppen im Hotel. Sie haben unterschiedliche Tritthöhen von sechs bis 26 Zentimetern und mancher Tourist hat sich hier schon verletzt."
Das Essen ist reichlich und gut, viel zu viel wird aufgetischt. Zum Nachtisch gibt es immer Melonenstücke.
Frauen bauen jeden Tag in der Hotelhalle ihre Verkaufstische mit hübschen Geschenken auf.
Am nächsten Morgen werde ich von Hundegekläff und Hahnenschrei geweckt. Tauben gurren und auch das Miauen einer Katze fehlt nicht. Man kommt sich vor wie in einer ländlichen Idylle, nicht wie in einer Stadt. Hier ist die Zeit stehen geblieben.
Am nächsten Morgen fahren wir mit Anatoli, der nur wenige Brocken Deutsch spricht, in die Heimatdörfer. Zum Glück spricht mein Vater Russisch, so dass wir keinen Dolmetscher brauchen. Wir quetschen uns ohnehin in Anatolis alten Mercedes, Baujahr l977. Anatoli bekommt 50 Euro pro Tag. Das ist viel, verdient doch eine Lehrerin nur 40 Euro den ganzen Monat, abzüglich drei Monate Ferien. Der Umrechnungskurs beträgt eins zu fünf, d.h., für einen Euro bekommt man fünf Griwna. Mit unserem Geld können wir billig einkaufen, z.B. ein Kilogramm Tomaten für 20 Cent, eine Harbuse 80 Cent oder ein wunderschönes Halstuch für vier Griwna. In Wien in den Läden des Flughafens habe ich die gleichen gesehen, eines für 79 Euro.
80 Kilometer Fahrt liegen vor uns, bis ins Heimatdorf Teplitz, aus dem meine Eltern stammen.

Alter Brunnen

Erste Station, wo wir Halt machen, ist Sarata, bekannt durch die Wernerschule, dem Lehrerseminar. Die durch Spendengelder der Bessarabiendeutschen wieder aufgebaute Kirche strahlt im Sonnenschein. Die Häuser stehen in Reih und Glied, mit der Giebelseite zur Straße, umgeben von Hofmauern oder grün gestrichenen Holzzäunen, teilweise mit Bänkchen davor, dann Gehweg und Akazienbäume. Auf diese Weise sind alle ehemaligen deutschen Dörfer angelegt. Weiter geht es nach Arzis, einer größeren Stadt, dann nach Gnadental, wo Gudruns Vater aufgewachsen ist.

Enten

Über Umwege können wir das großväterliche Haus von Josef Wagner finden, wo wir sehr gastfreundlich aufgenommen werden. Den Imbiss dürfen wir nicht abschlagen. Hier machen wir auch die erste Bekanntschaft mit dem ukrainischen Wodka, der zu jedem Essen gehört.

Gruppe in Sarata

Weiter geht die Fahrt. Überall das gleiche Landschaftsbild. Weite, ebene Felder mit Sonnenblumen, Mais, Weinfelder mit vielen Trauben. Tschabor und Basyrjamka sind durch die großen Weinkulturen sehr bekannt. Man sieht, dass es lange Zeit nicht geregnet hat, denn die Pflanzen sind kleinwüchsig, halb verdorrt und der Burjan, das Unkraut, ist fast so hoch wie die Kulturen selbst. Das Getreide ist schon abgeerntet. Schwarze, umgepflügte Erde, dann wieder riesige Stoppelfelder, durch Baumkulturen unterbrochen, die am Horizont zusammenlaufen. Diese Baumkulturen wurden erst nach der Umsiedlung als Windschutz angelegt, wie Vater erzählt. Sonnenschein von morgens bis abends liegt über der südbessarabischen Steppe.
Die gerade verlaufende, geteerte Hauptstraße von Akkerman bis Teplitz weist viele Löcher auf und Anatoli muss nach links ausweichen. Er fährt so lange auf der linken Spur, bis ihm ein Fahrzeug entgegenkommt. Immer wieder sehe ich viele Tierherden auf den Wiesen: Schafe, Ziegen, Hühner, Gänse, Pferde, Kühe und Pferde. Oft muss Anatoli hupen, um die Gänse und die streunenden Hunde zu vertreiben. An der Straßenkreuzung nach Teplitz sehen wir ist einen Schemel am Straßenrand mit einer Melone darauf. Im Hintergrund sitzen einige Frauen im Schatten und daneben steht ein Anhänger voll beladen mit Harbusen. Hinter ihnen ragt ein Obelisk mit Hammer und Sichel auf, links von ihm ein blaues, großes, nicht zu übersehendes Ortsschild in kyrillischer Schrift mit dem Namenszug TEPLITZA. Ich bin schon auf das Heimatdorf meiner Eltern gespannt, von dem ich so viel gehört und das ich in meinen Romanen beschrieben habe.
Wir fahren nach wenigen Augenblicken über eine Brücke und ein gerade verlaufendes Flussbett, das ausgetrocknet ist. "Das ist der Kogelnik", klärt uns Vater auf, aber nicht der ursprüngliche Fluss, das Flussbett wurde verlegt. Der eigentliche Kogelnik floss nahe am Dorf vorbei und war ein großer, sich schlängelnder Fluss. In der Ferne tauchen Umrisse von Häusern und graue Dächer auf. Wir fahren in die Hauptstraße des Dorfes ein, wo wir an der Schule, dann an den Lehrerwohnungen neben dem Kirchplatz vorbei fahren und Halt machen. Durch den großen Kirchgarten, in dem jetzt nur noch Akazienbäume wachsen, führt ein langer Weg, in dessen Mitte ein Lenin Denkmal steht.

Lenindenkmal in Teplitz

Viele ausgetretene Steinstufen führen zur ehemaligen schönen Dorfkirche auf einer Anhöhe, die heute ein Klubhaus ist. Der Kirchturm ist abgetragen. Wir suchen den alten Friedhof auf, der hinter der Kirche liegt. Er befindet sich hinter einer langen Mauer. Meterhoher Burjan wuchert überall. Wir bahnen uns den Weg, an eingezäunten Russengräbern vorbei, die lesbaren Grabsteine sind mit Plastikblumen geschmückt. Im Hintergrund entdecken wir halb verwitterte, hohe Grabsteine. Die Initialen mit Namen, Daten und Sprüchen sind nur teilweise lesbar. Es sind die Steine unserer Urahnen, die durch Stalin entfernt und nach Glasnost und Perestroika wieder aufgestellt wurden. Teplitz hat jetzt einen neu angelegten Friedhof.

Gedenkstein in Teplitz

Im Dorfcafé stärken wir uns, bevor wir das großväterliche Anwesen, das Zuhause meiner Mutter, aufsuchen. Wie hat es sich verändert! Das von Gustav und Siona Schaal im Jahre l933 erbaute Anwesen ist in die Erde versunken, da die Hauptstraße höher gelegt wurde.
Das Haus, in dem mein Vater aufwuchs, steht nicht mehr. Es wurde abgerissen und das Verwaltungsgebäude sowie ein Transformatorenhäuschen auf diesem Platz erstellt.
Hier in Teplitz spüren wir wieder die Gastfreundschaft der Menschen. So müssen wir unbedingt eine Flasche selbst hergestellten Wein mitnehmen, von der Mutter des Direktors von der Sowchose (Staatsgut) eine riesengroße Harbuse und Tücher zum Andenken, von der Direktorsfrau werden wir eingeladen, eine Melone auf einer weißen Spitzentischdecke zu essen. Auf dem ehemaligen Hof meines Großonkels Johannes Schaal werden wir zum Originalbrunnen geführt. Unter dem vorgezogenen Dach am Haus sind Mengen von frisch geernteten Weizenkörnern gelagert.
Leider müssen wir bald aufbrechen. Auf der Heimfahrt sind wir alle müde von den neuen Eindrücken und den herzlichen Begegnungen. Wir haben unser Pensum nicht geschafft.
Deshalb nehmen wir am nächsten Tag die Fahrt nochmals auf uns. Vor Teplitz biegen wir nach Brienne ab. Die Landschaft ist hier etwas hügeliger. Und dann erreichen wir über eine holprige Straße Dennewitz, die Ortschaft, wo einst mein Urgroßvater Jakob Seitz mit seiner Frau Justine, geb. Schill, sein großes Anwesen hatte, und wo meine Großmutter Siona aufwuchs. Wir besuchen unsere Ahnen auf dem Friedhof, die Kirche, die zurzeit eine riesige Baustelle ist und suchen das Gelände von Jakob Seitz auf. Es steht nur noch das Wohnhaus, das an die Lehrer vermietet war. Jetzt wohnt hier ein ukrainisches Lehrerehepaar. Die Begrüßung ist herzlich. Meine Eltern haben bei ihrem letzten Besuch Bekanntschaft mit ihnen geschlossen. Wir müssen unbedingt zum Essen dableiben und es werden zweieinhalb Stunden daraus. Über Teplitz wollen wir zurück, um den ehemaligen Bürgermeister aufzusuchen, der uns schon in Deutschland besucht hat. Leider ist er nicht da. Wir kehren noch bei einem rumänischen Ehepaar ein, bevor wir das Krankenhaus aufsuchen wollen. Zu schnell geht die Zeit vorbei.
In Akkerman werden wir schon von Herrn Dr. Kelm und seiner Frau erwartet, die mit der Jakobstaler Reisegruppe aus Kischinew angekommen sind. Wenige Tage später treffen Herr Pastor Baumann, Bundesvorsitzender und Leiter des Hilfskomitees der Bessarabiendeutschen mit Frau aus Hannover ein. Herr Isert vom Heimatmuseum in Stuttgart und Herr Hugo Schreiber, der Leiter von Fachausschüssen sind auch eingetroffen. Morgens und abends wird jeweils nach dem Essen eine kleine Andacht abgehalten, wobei Frau Kelm die Lieder auf dem Harmonium begleitet.

Basyrjamka

Am Samstag macht die Reisegruppe einen Ausflug nach Basyrjamka, einer früheren Tochterkolonie. Basyrjamka gehörte einst zu den schönsten Dörfern Bessarabiens. Das milde Klima und die nahe Lage zu Bad Burnas am Schwarzen Meer zeichneten es besonders aus. Viele Kurgäste, darunter auch meine Großeltern, kamen oft hierher. Jakob Schulz, der Begründer von Bad Burnas und Johannes Schill, aus Dennewitz stammend, waren zwei Vettern meiner Oma. Riesige Weinfelder breiten sich hier aus. Im Jugendzentrum essen wir zu Mittag, bevor wir an einer Weinprobe teilnehmen, zu der ein ukrainischer Musikant auf seinem Schifferklavier spielt. Am Nachmittag bade ich trotz des hohen Wellengangs im Schwarzen Meer. Ich erinnere mich dabei an meine Großeltern.

Schwarzes Meer

Am vierten Tag besuchen wir die Heimatdörfer unter der Leitung von Herrn Kelm. Wir halten kurz an der von den Baptisten erbauten Kirche in Akkerman, fahren auf der uns schon bekannten Strecke nach Teplitz und halten vor dem Kirchgarten, wo uns der ehemalige Bürgermeister Nikolai Juja empfängt.

Kirche

Die Freude ist groß, als er ehemalige Teplitzer begrüßen kann. Die Fahrt geht weiter nach Neu-Elft, wo uns Nadja, die Schulleiterin, empfängt. Sie zeigt uns den Gedenkstein zur Gründung des Dorfes mit russischer und deutscher Schrift und führt uns im Schulhaus herum. Heute, am Sonntag, dem l. August, ist überall im Land Einschulungsfeier. Die Kinder sind herausgeputzt, schwarzweiß angezogen, und die Mädchen haben weiße Spitzenkränzchen auf dem Kopf. Die Lehrerin bekommt von jedem Blumen geschenkt. Wir fahren eine staubige, holprige Sandstraße über Tarutino nach Alt - Elft und haben eine kleine Andacht in der Kirche, wo Herr Kelm einen Freund trifft. Meine Oma Siona und mein Großvater Gustav haben hier einst geheiratet. Anschließend geht es nach Friedenstal, zum Dorf - und Bauernmuseum von Herrn Kelm, das auf dem Platz seines Urgroßvaters steht und das er l998 hier gegründet hat.

beim Hände waschen

Uns erwartet ein großartiges Menü mit verschiedenen Gängen unter dem Dach einer Veranda. Auf dem Heimweg halten wir noch kurz in der Kirchenruine von Lichtental, bevor es zur Kirche nach Sarata geht, wo uns der Pfarrer mit Frau erwartet. Nach der Ansprache machen wir uns auf den Heimweg.
Am Montag fahren wir mit Anatoli zum Bazar in Akkerman, kaufen einige Geschenke ein und besuchen Bad Burgas, nicht weit von Akkerman entfernt.

Markttag

Uns bleibt nur noch ein Tag in Bessarabien. Anatoli bringt uns ins Stadtmuseum, wo unsere Familie eine Führung bekommt. Mein Vater übersetzt uns das Wichtigste. Hier wird die frühe und späte Geschichte anhand von Gegenständen und Dokumenten von Römern, Griechen, Türken usw. dargestellt und reicht bis zum Zweiten Weltkrieg. Die Leiterin ist sehr interessiert an Mutters Zeugnis, denn sie war eine gute Schülerin und hat bei der Abschlussprüfung eine Auszeichnung und eine Medaille mit der Abbildung von König Carol dem Zweiten bekommen. Eine Kopie dieses Zeugnisses, in Rumänisch, hängt jetzt im Museum. Wir schlendern nochmals über den Bazar, meine Eltern kaufen einen ganzen Koffer voll Paprika, und besichtigen die Festung von Akkerman. Die 700 Jahre alte Anlage ist sehr großräumig angelegt und steht mit einer Seite am Felsabgrund zum Dnjestr- Liman.

Fischer

Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen. Unsere Koffer sind jetzt fast leer, da wir die vielen mitgebrachten Textilien verschenkt haben. Zurück geht es nach Odessa und wir schauen uns die Stadt an. Die Handelsstadt wurde l794 gegründet. Unter Anderem besichtigen wir das weltberühmte Opernhaus, das Puschkin - Denkmal und die Potjomkin - Treppe.

in Odessa

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich sehr beeindruckt von Land und Leuten bin. Das sonnige Land färbt auf die Menschen ab. Trotz Armut und wirtschaftlicher Not strahlen die Menschen eine Liebenswürdigkeit aus, und die Gastfreundschaft, auch Fremden gegenüber, ist beispiellos.
Besonderen Dank gilt Herrn Dr. Kelm sowie seiner Frau, die durch ihren unermüdlichen Einsatz die Reisen in die ehemalige Heimat der Vorfahren ermöglichen.
Die eindrucksvolle Reise wird uns in Erinnerung bleiben.

Unsere kleine Gruppe

Gerlinde Göhringer

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© Gerlinde Göhringer
mit Unterstützung von kuntner.de